21. Feber a.D. 2012, Moskau

Ein kalter, stiller Wintermorgen - Göttliche Liturgie im Sretenski-Kloster. Links, vor der Gottesmutter, stehen die Frauen in aufrechter Verehrung, unter ihnen Penelope. Rechts die Männer vor dem Bild Christi. Kouroi, der Zeit nicht unterworfen, Diener des Höchsten. Die erste Kommunion seit dem Silvestertag.

Vor einem geschäftlichen Termin besuche ich die Kosmas-und-Damian-Kirche auf der Marosejka. Ein kleines Gelübde, das ich abgelegt habe, als sich die Dinge vor zwei Jahren nicht sehr glücklich entwickelten: Hier nach den Terminen bei der benachbarten Firma zu verweilen. Dort war dann auch die Quelle der heutigen guten Resultate.
Im Untergrund der Kirche ein gut sortierter Bücher- und Ikonenladen. Dort finde ich eine Ausgabe der Tagebücher von Tatjana Goritschewa 1980-2004. Erfolgreich gewöhnt mir der Alltag die Verwendung des Begriffs "Zufall" ab. Herbert hatte mir erst kürzlich von Goritschewa erzählt. Ich lese ihren Aufsatz über Ökumenismus und Erneuerungsbestrebungen in der Kirche, einige Tagebucheinträge aus ihrer Zeit in Österreich. Auch in Kärnten war Goritschewa, hat in Tainach vorgetragen, wo ich ebenfalls über die Orthodoxie referiert habe. 
Schockierend, daß es im großen Zusammenhang des Lebens ausreichen kann, einige wenige Kontakte falsch zu verlöten, um das Ganze an den Rand des Totalausfalls bringen. Für den geistig schaffenden Menschen sind blinde Flecken, wuchernde Emotionen und falsche Freunde fatal. Der Grat ist äußerst schmal und fordert heitere Konzentration.